Geschichte

Höfli Cherzers

Die Geschichte des Restaurants Bahnhof

Die Gemeinde erbaute das Restaurant Bahnhof 1874 im Hinblick auf die 1876 in Betrieb genommene Eisenbahnlinie Lyss - Lausanne (Broyetaillinie). Kurze Zeit darauf konnte der damalige Wirt Gottlieb - Johann Notz das Anwesen käuflich erwerben. Mangels Nachfolger verkauften Gottlieb und Rosina Notz - Schroff nach rund 40 Jahren die Liegenschaft an 1978 an Severin Maurer (Kerzers) mit der Verpflichtung, die Gaststätte weiter zu betreiben.
Seine weitschichtige Planung brachte eine Umgestaltung des Bahnhofareals zu einem sinnvollen Zentrum. Die SBB als Betreiberin des Bahnhofs Kerzers signalisierte Interesse, konnte aber das Projekt aus Spargründen bisher nicht weiter verfolgen. Involviert wäre damit auch die Gemeinde Kerzers gewesen.

Die Seilers von Kerzers

Bis 1987 wurden die vier Gaststätten „Bären“, „Löwen“, „Hippel Krone“ und „Hotel Restaurant Bahnhof“ allesamt von den zwei Notz-Zweigen geführt.
Was die Hotelierdynastie Seiler für das Gletscherdorf Zermatt bedeutet, sind die Notz für das Gastgewerbe in Kerzers. Das heutige Hotel Jura verdankt seine Eröffnung im Jahre 1901
ebenfalls dem Bahnbau. Am 1. Juli fuhren die ersten Züge der Bern - Neuenburg - Bahn.

Restaurant de la Gare / Hôtel de la Poste

Für das Patent waren damals 8 Gastbetten nebst entsprechender Infrastruktur nötig. Die Französische Bezeichnung „Chietres“ stand am Bahnhof Kerzers bis in die späten Fünfziger Jahre gleichberechtigt neben Kerzers. So verwundert es nicht, dass der offizielle Name des Restaurants Bahnhof „Hôtel de la Post/ Restaurant de la Gare“ lautete.
Das Postbüro Kerzers befand sich viele Jahre im gleichen Haus.

Eigene Weinpflege und „Schwinigs“ aus eigenen Beständen

Bis 1952 gehörte ein Landwirschaftsbetrieb mit Schweinen und Kühen dazu. Für den November-,  Dezember- und den Januarmarkt schlachteten Hans und Walther Burkhalter aus dem Bernischen Buttenried jeweils zwei Schweine und die Speckseiten erhielten ihr Bouquet aus der hauseigenen Räuke.
Der Wein kam in eichenen Transportfässern im Sauserstadium aus Mont sur Rolle per Bahn nach Kerzers. Mit Pferd und Wagen, wurden sie später auch mit einer Art von Pipeline in die 12 eigenen 15 000 Liter fassenden Lagerfässer verbracht. Der vom Wirt liebevoll gepflegte Wein wurde ausschliesslich offen als Zweier, Dreier, Halbliter oder Liter serviert.

Acht Serviertöchter im Einsatz

Bis in die späten Fünfziger Jahre war Kerzers ein bedeutender Marktflecken. Jeden letzten Donnerstag im Monat war Markt und für die Kinder schulfrei. Beim Restaurant Seeland damals Gemeindepinte, war der Schweinemarkt und auf dem heutigem Parkplatz neben der
Bank der Viehmarkt. An Spitzentagen wurden bis zu 400 Kühe aufgeführt. Zu den normalen Markttagen kamen die grossen Mai- und Martinsmärkte im November hinzu. Die Marktfahrer, die Händler und Besucher assen, tranken und schliefen teilweise im Restaurant Bahnhof. An diesen Tagen standen bis zu 8 „Serviertöchter“ im Einsatz.

Keine Schickimicki - Küche

Täglich wurden zwischen 35 und 60 Mittagessen serviert. „Gut genug und schnell“ war die Devise. „Eine Schickimicki-Küche hätte zu unserem Betrieb nie gepasst“ halten Rosina und Gottlieb Notz fest, Kerzers ist Bahnknotenpunkt zwischen Deutsch und Welsch. Die Gäste im Restaurant Bahnhof entsprechend: Leute aus dem Dorf, Marktbesucher, Bahnreisende, Zugpersonal, Arbeiter mit kurzen Mittagspausen und Chauffeure auf der Fahrt von Ost nach West und umgekehrt. Viele schätzen es, dass sie auch im Überkleid willkomme Gäste waren (und noch heute sind)!

In den Fünfziger Jahren kosteten eine Portion Rösti 70, eine grosse halbe Portion 40, ein Kaffee nature 40, ein kaffee creme 45 Rappen und ein komplettes Mittagessen mit Suppe zweieinhalb Franken.
Arbeitszeiten von 6 bis 22 Uhr waren wie im Gastgewerbe damals üblich für Meistersleute und Angestellte keine Seltenheit. Auch die dritte Generation arbeitete 15 Jahre lang ohne Wirtesonntag, das heisst sieben Tage in der Woche.
Der mittlere Gottlieb Notz gehört zu den Begründern der Berühmten Kerzerser Spargel Gastronomie. Dieser Zweig wurde aufgegeben, als der Anbau im Moos vor Kerzers endete.

Bundesrat kam per Velo

Der letzte Gottlieb Notz legte nie grossen Wert auf illustre Namen unter seiner Kundschaft. Trotzdem erwähnte er mit einer gewissen Genugtuung die Bundesräte Max Petitpierre, Paul Chaudet, Rudolf Gnägi und Pierre Aubert, die seine Gäste waren. Aubert kam öfters als sportlicher Radfahrer mit Rucksack und in kurzen Hosen. „ Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein“ mag er jeweils gedacht haben und bestellte meist „Rösti mit Wurst“.

Wirt und Waagmeister

Zum Restauran Bahnhof gehören eine Brücken- und Schweinewaage. Auf der Brückenwaage wogen die Bauern ihre Fuder mit Obst und Gemüse und an Schlachtvieh-Annahme-Tagen mussten sich bis 120 Kühe pro Tag zum Wägen darauf stellen. Jeden Montagmorgen quietschten zwischen 25 und 30 Schweine über die Schweinewaage vor dem Haus und am Dienstagmorgen kamen die Kälber dran.

Eine wichtige Rolle spielte die 1923 gegründete Musikgesellschaft Kerzers im Restaurant Bahnhof. Gottlieb Notz gehörte ihr 25 Jahre als Spieler und 20 Jahre als Dirigent an.
1926/27 wurde der grosse Saal erbaut und 1931 der Platz vor dem Restaurant asphaltiert. 1930 entstand das Unterwerk beim Bahnhof Kerzers und 1944 elektrifizierte die SBB die
Broyetallinie. 1950 wurde der Dorfbach neben dem Restaurant eingedeckt. Damals nahm das Rattenproblem ein Ende. Früh schon wurde das Restaurant Bahnhof mit einer Notstromgruppe ausgestattet, die Stromausfälle schadlos überstehen liess.

Bis 1987 also volle 113 Jahre prägten drei Generationen der Besitzerfamilie Notz die Geschichte dieses bekannten Gastbetrieb und nach ihnen Werner Dutly bis Ende 1993.

1994 bis 1995 leitete das Wirte Ehepaar Tanja und Jakob Greber die Geschicke des Restaurants Bahnhof.

Restaurant Club Café Bahnhof: Wo sich zwei Kulturen treffen

Seeländer Pizza oder Familienpizza Berno – im Angebot des als Club Café Bahnhof neu eröffneten Restaurants am Kerzerser Bahnhof zeigt sich die Kombination zwischen Italienischer und Schweizerischer Kultur, die den Betreiber Venanzio Berno charakterisiert und zu der er auch voll und ganz steht.

1996; nach den Vorstellungen des neuen Pächter Venanzio Berno ist der Umbau des Restaurants am Bahnhofplatz Kerzers vor sich gegangen. In zweimonatiger Arbeit wurden sowohl der Garten, Gästeraum mit der Bar wie auch die Küche neu eingerichtet. Mit dem Pizzaofen und der Zubereitungsstätte in einem Zwischenbereich verdient das Haus seine neue Bezeichnung als Pizzeria, doch nebst dieser Spezialität stehen zahlreiche Italienische Teigwaren oder Fleischspezialitäten auf der Menükarte.

Wie bei der Pizza, so beim Wein

Der 29jährige Venanzio Berno, in der Schweiz geboren und aufgewachsen, kombiniert in seinem ganzen Angebot – Stichwort „Seeländer Pizza“ das schweizerische und das italienische Element, das er in seinen Wanderjahren als Hotel und Restarautionsfachmann hat  erwerben können. Und die gleiche Kombination ist auch auf der Weinkarte.

Quelle: Freiburger Nachrichten / Ueli Gutknecht

2005 konnte die Familie Donatina und Venanzio Berno die Liegenschaft von der Familie Severin Maurer-Kolly erwerben.

2007 wurde die Gartenwirtschaft komplett umgebaut.
2008 wurde ein neues Kühl- und Tiefkühlhaus eingerichtet.
2010 wurde aus dem Getränkelager das Restaurant Cave 1874 Käsefondue & Fondue Chinoise werden dort serviert
2011 wurde die ganze Liegenschaft saniert und eine neue Zeitgerechte Küche eingerichtet.